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IHK FORDERT GESAMTKONZEPT

Gutachten zur regionalverträglichen Umfeldentwicklung des Flughafens Frankfurt-Hahn mit dem Schwerpunkt Einzelhandel

IHK Koblenz hat am 16.04.2010 Wirtschaftsminister Hendrik Hering und Innenminister Karl Peter Bruch Gutachten zu Entwicklungsmöglichkeiten rund um den Flughafen Frankfurt-Hahn übergeben

Hildegard Kaefer, Vizepräsidentin und Vorsitzende des Handelsausschusses der IHK Koblenz und IHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Jürgen Podzun haben am 16.04.2010 in Mainz Wirtschaftsminister Hendrik Hering und Innenminister Karl Peter Bruch ein Gutachten zu den Entwicklungsmöglichkeiten rund um den Flughafen Frankfurt-Hahn übergeben. Das von der IHK Koblenz in Abstimmung mit der IHK Trier in Auftrag gegebene, unabhängige Gutachten befasst sich mit der regionalverträglichen Entwicklung des Flughafens Frankfurt-Hahn und seines Umfeldes. Dabei liegt der Schwerpunkt auf möglichen Einzelhandelsansiedlungen.

„Wir alle – Wirtschaftsminister, Innenminister und die IHK Koblenz, wollen die Region Hunsrück mit dem Flughafen Frankfurt-Hahn nachhaltig voranbringen. Dieses Gutachten soll ein neuer, positiver Impuls sein für die Diskussion und die weitere Entwicklung am Hahn”, erklärt Kaefer.

„Die IHK Koblenz begleitet die Entwicklung des Flughafens seit den Anfängen sehr positiv. Wir betrachten den Flughafen Frankfurt-Hahn als überregional bedeutsames Infrastrukturprojekt und als Wachstumsmotor für die Region”, ergänzt Podzun und fordert: „Es sollen dort möglichst solche Ansätze umgesetzt werden, von denen auch die Region profitieren kann. Es darf nicht zu einer Eigenentwicklung am Flughafen und in dessen Umfeld auf Kosten der Wirtschafts- und Einzelhandelsstruktur der Region kommen."

„Für mögliche Einzelhandelsansiedlungen muss ein verträgliches Maß gefunden werden, auch angesichts der langjährigen Diskussionen, wie zuletzt über eine Einkaufs- und Erlebniswelt mit ca. 14.600 qm Verkaufsfläche”, führt Kaefer weiter aus. „Einerseits soll der Einzelhandel die Attraktivität des Flughafenstandortes Frankfurt-Hahn und des Tourismusstandortes Region Hunsrück unterstützen, andererseits darf er sich aber nicht schädlich auf die Ziele der Raumordnung und Landesplanung auswirken."

Genau hier setzt das von der IHK Koblenz im August 2009 in Auftrag gegebene, von Investoreninteressen unabhängige Gutachten des bundesweit renommierten Büros Stadt+Handel aus Dortmund an.

Stadt+Handel untersuchte zunächst vier Modellvarianten: Es wurde geprüft, ob ein Einkaufszentrum mit 15.000 qm bzw. 25.000 qm Verkaufsfläche (VKF) und ein FOC mit 15.000 qm VKF und normalen Öffnungszeiten bzw. mit erweiterten Öffnungszeiten wie bei den Style Outlets Zweibrücken gemäß dem Nichtbeeinträchtigungsgebot des Landesentwicklungsprogramms (LEP) IV regionalverträglich sind, das heißt vor allem, ob negative städtebauliche Auswirkungen auf den Einzelhandelsbestand oder die Entwicklungsmöglichkeiten zentraler Versorgungsbereiche, also der Stadt- und Ortskerne, ausbleiben. Basis war eine breite und fundierte Datenerfassung zu Angebot und Nachfrage im Einzelhandel der Region. Dazu gehörten eine umfassende Kartierung, Haushaltsbefragungen, Befragungen von Werbegemeinschaften und Expertengespräche.

Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass alle vier Modellvarianten für die Region nicht verträglich sind.

Das Gutachten zeigt aber nicht nur, was nicht geht. Es zeigt auch, was gehen könnte und setzt mit einem alternativen regionalverträglichen Entwicklungsvorschlag positive Impulse.

Die Gutachter betonen ausdrücklich, dass ein Gesamtkonzept für die Entwicklung des Flughafens Frankfurt-Hahn und seines Umfelds notwendig ist. Dazu schlagen sie eine mittelfristig angelegte Entwicklung mit vier unterschiedlichen Schwerpunkten vor: Eine „landside” als neue regionale „Erlebnis-Mitte”, mit regionalverträglichem Einzelhandel unter Einbindung regionaler Einzelhändler, dazu Gastronomie, Entertainment und Tourismuseinrichtungen; eine „airside” als Bereich ausschließlich für Fluggäste mit besonderen themenorientierten Angeboten, insbesondere aus dem Einzelhandel; eine „boarding side” als Transitbereich des Flughafens mit Waren- und Dienstleistungsangeboten, die sich auf die Kernbedürfnisse der Reisenden konzentrieren und eine „green side” für Freizeit, Naherholung und Tourismus mit dem Schwerpunkt Sport und Open-Air-Veranstaltungen.

Für den Einzelhandel erarbeiteten die Gutachter wirtschaftlich tragfähige und gleichzeitig regionalverträgliche Lösungsvorschläge. Als regionalverträglich wurde eine Größenordnung von insgesamt rund 6.300 bis 8.450 qm VKF eingestuft.

Für die Entwicklungsalternativen spielt die Lage des Flughafens Frankfurt-Hahn in einem ländlich geprägten Gebiet und die derzeitige Ausrichtung als Low-Cost-Drehkreuz eine große Rolle. Die Optionen hängen auch davon ab, ob es gelingt, die Passagierzahlen weiter zu steigern, weitere Fluggesellschaften zu gewinnen und das Flugstreckennetz auszubauen.

Wirtschaftsminister Hendrik Hering begrüßt die Initiative der IHK und sieht gute Chancen für die weitere Standortentwicklung: „In Folge der mehrheitlichen Übernahme des Flughafens durch das Land in 2009 hat die Landesregierung bereits die Weichen für die nachhaltige Gesamtentwicklung im Sinne der Region gestellt. Das Land und die zu diesem Zweck gegründete Entwicklungsgesellschaft Hahn werden das von mir vorgestellte Zukunftskonzept in enger Abstimmung mit dem kommunalen Zweckverband und den Akteuren in der Region umsetzen. Wir werden auch weiterhin den Flughafen mit und nicht gegen die Region entwickeln."

Für Innenminister Bruch verdeutlichen viele Aussagen des Gutachtens, dass sich die verbindlichen Regelungen des LEP IV zum großflächigen Einzelhandel positiv umsetzen lassen. Sie bieten nicht nur den notwendigen Spielraum auch für Einzelhandelsvorhaben am Flughafen, sondern sie tragen auch zur notwendigen Diskussion um regionalverträgliche Lösungen im städtebaulichen Kontext einer „Neuen Mitte” des Mittelzentrums Verbandsgemeinde Kirchberg bei. „Aus meiner Sicht bietet das Gutachten Diskussionsstoff für Projektentwicklungen, die einerseits der Bedeutung und Rolle des Flughafens und andererseits der daraus resultierenden mittelzentralen Funktion der Verbandsgemeinde Kirchberg gerecht werden können”, betont Minister Bruch.

Kaefer: „Mit dem Gutachten wollen wir im Dialog mit der Landesregierung die Diskussion in der Region nochmals konstruktiv anstoßen. Es bietet vielfältige Ansatzpunkte dafür, wie zusätzlicher Einzelhandel - eingebettet in ein schlüssiges Gesamtkonzept - die Attraktivität des Flughafenstandortes Frankfurt-Hahn und des Tourismusstandortes Region Hunsrück unterstützen kann, sich andererseits aber nicht schädlich auf die Ziele der Raumordnung und Landesplanung auswirkt. Dabei werden wir mögliche Wettbewerbsverzerrungen durch Ladenschlussausnahmen sehr kritisch begleiten".

„Durch die fundierte Bestandserhebung können Kommunen und Werbegemeinschaften der Region das Gutachten auch als Fundgrube für ihr Engagement vor Ort nutzen. Allen Personen, die mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung zu dieser Informationsbasis und damit zur Qualität und Belastbarkeit des Gutachtens beigetragen haben, gilt unser herzlicher Dank!”, betont Podzun.

Die drei Teile des Gutachtens können rechts unter "Downloads" heruntergeladen werden.

DOKUMENT-NR. 8810

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